Russland und Nordkorea: verdeckte Energiegeschäfte unterlaufen den UN-Sanktionsrahmen

21.11.2025 14:00
Russland und Nordkorea: verdeckte Energiegeschäfte unterlaufen den UN-Sanktionsrahmen
Russland und Nordkorea: verdeckte Energiegeschäfte unterlaufen den UN-Sanktionsrahmen

Ein gemeinsames Rechercheprojekt der Plattform „Ważnyje Istorii“, des Open Source Centre und von OCCRP legt nahe, dass Russland im Jahr 2024 mehr als 1,5 Millionen Barrel Erdölprodukte an Nordkorea geliefert haben könnte. Die Analyse zeigt, dass dutzende Tanker leer in den Hafen von Nachodka einfuhren, dort beladen wurden und anschließend Richtung Korea ausliefen. Laut den Recherchen zu verdeckten Öltransporten nach Nordkorea betreibt in der Bucht von Nachodka die „Treibstoff-Bunker-Firma“ (PBK) die Abfertigung, die über geschäftliche Verbindungen zur Familie des russischen Vizepremiers Marat Chusnullin verfügen soll. Zeitgleich flossen Zahlungen der Firma „Südliche Eisenbahnexpedition“, die 2024 über 240 Millionen Rubel an PBK überwies – immer dann, wenn Tanker Kurs auf Nordkorea nahmen.

Netz aus Tankern, Schienenwegen und verdeckten Zahlungsstrukturen

Neben den Frachtern nutzt Moskau weiterhin die Bahnstrecke Chassan–Rasŏn, über die im Jahr 2024 mindestens 322.000 Barrel transportiert worden sein sollen. Als Absender traten Firmen wie „Introstopt“ und „Atlant Export“ auf. Diese Lieferungen überschreiten deutlich die UN-Grenze von 500.000 Barrel pro Jahr, die für Nordkorea verbindlich ist. Offiziell gab Russland der UN im Jahr 2024 nur 15.300 Barrel an, nachdem der Kreml im März desselben Jahres als einziges Mitglied des Sicherheitsrats gegen die Verlängerung des Mandats jener Expertengruppe votiert hatte, die die Einhaltung der Sanktionen überwachen sollte. Genau in dieser Phase nahmen die verdeckten Lieferungen nach Einschätzung der Ermittler stark zu.

Waffen gegen Öl: ein wachsendes sicherheitspolitisches Risiko

London spricht offen von einem Tauschmuster „Waffen gegen Öl“. Nordkorea soll Russland ballistische Raketen, Munition und Artilleriesysteme liefern und bis zu 10.000 Soldaten entsandt haben, von denen nach Angaben südkoreanischer Nachrichtendienste mehrere Tausend in der Region Kursk gefallen seien. Die im Juni 2024 geschlossene Vereinbarung über eine erweiterte strategische Partnerschaft zwischen Putin und Kim Jong Un verpflichtet beide Staaten sogar zu gegenseitiger militärischer Unterstützung im Konfliktfall. Diese Entwicklung verstärkt die Sorgen im asiatisch-pazifischen Raum über eine neue Achse autoritärer Militärkooperation.

Blockierte Kontrolle und wachsender Technologietransfer

Die russische Entscheidung, die Arbeit der UN-Expertengruppe zu stoppen, steht im direkten Zusammenhang mit der Ausweitung der Ölströme nach Nordkorea. Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass Pjöngjang Interesse an russischen Militärtechnologien zeigt – darunter Komponenten für Satellitensysteme und atomgetriebene U-Boote. Eine solche Weitergabe sensibler Technologien würde mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletzen und die strategische Balance in Ostasien nachhaltig verschieben. Die enge Kooperation in Rüstungsfragen verstärkt zudem die Fähigkeiten eines der isoliertesten Regime der Welt und gefährdet internationale Bemühungen zur Nichtverbreitung.

Eine neue geopolitische Achse und der Druck auf die internationale Ordnung

Die Militärpartnerschaft zwischen Moskau und Pjöngjang entwickelt sich zu einer strukturellen Bedrohung nicht nur für die Ukraine, sondern auch für globale Sicherheitsinteressen. Das Zusammenwirken beider Staaten schafft eine neue Achse autoritärer Machtprojektion, die die USA, Japan und Südkorea zwingt, ihre Verteidigungsstrategien anzupassen. Gleichzeitig unterminiert die faktische Aushöhlung des UN-Sanktionssystems den internationalen Rechtsrahmen und schwächt die Fähigkeit der Weltgemeinschaft, auf eklatante Verstöße in Krisenregionen zu reagieren.

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